Schweizer Komponist Armin Schibler Heim Schaffensperioden Biografisches Werke Personalstil CD's Veranstaltungen Kontakt
 

Schiblers musikalischer Personalstil

Valid HTML 4.01!

Personalstil des Schweizer Komponist Musikpädagoge Armin Schibler  

Schibler hat seine Musiksprache, seinen musikalischen Personalstil als archetypisch aufgefasst, als musikgewordene Träume, denen eine Tendenz zur Kompensation, zum Gleichgewicht in der Ganzheit innewohnt, und damit als etwas intuitiv Erfasstes, ihm Zugeflogenes und nicht künstlich rational Gemachtes oder Errechnetes. Immer wieder äussert er sich beglückt über musikalische Funde, die ihm zufallen, ja zureifen.

Ein wesentliches Element seines Personalstiles ist die chromatische Rückung, mit der bereits in der Passacaglia neben der Bogenform als Halbtonrückung experimentierte: "Wo dieses ursprünglich hochromantische Prinzip an Quart und Quint angewendet wird, gewinnt es einen antisubjektiven, ins Harmonikal-Kosmische zielenden Ausdrucksgehalt.“

Armin Schibler beim Partiturschreiben

Halbtonrückung

Weiter führt er dazu aus: "Die gegenläufige Halbtonrückung hat sich in der Passacaglia zunächst der reinen Intervalle bemächtigt und damit eine Rücknahme von Subjektivität - im Gegensatz zur Romantik - bewirkt.“

Für Schibler ist dieses musikalische Prinzip eine "tönende Formel für die extreme subjektive Bedrängnis, aus der kein Ausweg zu finden ist. Wenn über einen weiteren dazwischentretenden Halbtonschritt Quarte und Quinte einbezogen werden, dann scheint die Bedrängnis sozusagen übers Menschliche hinauszuweisen, Natur und Kosmos miteinzubeziehen.“

Wechseldissonanz und Dreiklangsharmonik

Dieses musikgewordene Exempel subjektiver, ja kosmischer Bedrängnis bleibt jedoch nicht unwidersprochen: "Wenn jedoch weitere Töne dazutreten, ergeben sich für diese im Leeren hängenden Wechseldissonanzen plötzlich Bezugspunkte, mildernde Umstände, die sie für das Ohr erträglich machen. Aus den Komplexen vermag es, wenn auch verhüllt und überlagert, die Bezüge zu den einstigen Dreiklängen herauszuhören, ohne die unsere europäische Musik offenbar zum akustischen Phänomen verkümmern muss."

Das Ohr assoziiert also zu den Klängen unweigerlich Dur- oder Mollakkorde: "Jedem der obenstehenden Akkorde vermag das Ohr einen vertrauten, von der Dreiklangsharmonik herkommenden Klang zu entnehmen. "Die neuen Schiblerschen Akkorde erweisen sich als "Abkömmlinge der bisherigen Terzschichtung; sie sind deshalb von der Hörerfahrung her aushörbar und verständlich im Sinne gesicherter Sprach- und Mitteilungsfähigkeit. Damit erschafft sich das Ohr eine eigene Hörwelt: "Für den Hörprozess bedeutet dies, dass die unlösbare Spannung unseres Daseinsgefühls, unsere existentielle Verlorenheit nicht letzte Instanz ist. Wer hören will, kann sich hier immer noch aufgehoben spüren, er ist noch in Kontakt mit dem Ordnungssystem, das unsere bisherige europäische Musik ermöglicht hat."

Spaltklang als Bindung an die Vergangenheit statt Dodekaphonie

Nach Schibler bedeutet dies, dass wir (seine) Musik als eine nichtsemantische Sprachmitteilung, als Botschaft einer nicht-materiellen Existenzsicht nur dann zu hören vermögen, wenn die Beziehung zur (musikalischen) Vergangenheit noch vorhanden ist. Die Musik der Dodekaphonie habe genau das entgegengesetzte Ziel: die Beziehung zur Vergangenheit durch die serielle Reihentechnik zu kappen. Sie sei damit die "Musik existentieller Verlo­renheit in ihrer Absage an das bisherige Hören in der technisch umgewandelten Welt.“ Er selbst hält jedoch am Weiterbestehen und immerwährenden Scheitern der Sehnsucht nach Harmonie und Sinn der Existenz fest, was sich auch im sog. Spaltklang, im gespaltenen Septakkord spiegelt.

Schiblers musikalischer Personalstil ist geprägt durch eine Reihe solcher einfacher harmonischer und melodischer Komplexe. Manchmal ist es der "Halbtonschritt und seine Komplementärformen, grosse Septime und kleine None, über Quarten und Quinten gelagert, welche den früher ungebrochenen Wohllaut überschatten, oder ihn in neuer Form kurz aufscheinen und sofort wieder verschwinden lassen.“

Musik der Gegenwart - Musik der existentiellen Verlorenheit

In Schiblers Musik ist damit die existentielle Verlorenheit hörbar, aber auch die Sehnsucht (und Erfüllung) einer einstigen (zukünftigen) Harmonie. Sie ist Musik der Gegenwart, indem sie sich einem unreflektierten Zugriff auf die Harmonie verweigert. Die musikalische Auflösung der Disharmonie erfolgt nur momenthaft und andeutungsweise, immer jedoch ist der Bezug zu Vergangenheit klanglich gegeben und - hoffentlich - mithörbar.

Integration moderner Musikidiome

Schiblers musikalische Entwicklung wird durch die Integration und Befruchtung durch weitere Musikidiome und Gattungen beeinflusst und bestimmt: Jazz, Blues, Entwicklung des rhythmischen Elementes, elektronische Musik etc. Sein musikalischer Personalstil jedoch bleibt von Dauer, es gibt nichts zu verwerfen. Noch das Werk La Naissance d'Eros (1985, ein Jahr vor seinem Tod) ist musikalisch vom Spaltklang geprägt:

"Das Spaltungsmotiv ist für den strukturellen Ablauf der Partitur in beiden Richtungen bestimmend, indem das getrennte menschliche Paar stets die verlorene Urharmonie zu suchen gezwungen ist: vergeblich suchen sich die Spaltklänge zum Unisono zurück zu entwickeln.“